Community College: The Black Box Issues

Übersetzungen dessen wagen, was nur anteilig verstanden werden kann

„Die neuen Wissenschaften, die der Feminismus begehrt, sind Wissenschaften und Politiken der Interpretation, der Übersetzung, des Stotterns und des partiell Verstandenen. [...] Übersetzung ist immer interpretativ, kritisch und partiell. Dies ist eine Basis für Konversation, Rationalität und Objektivität, die eine machtempfindliche und keine pluralistische ‚Konversation‘ ist.“ (Donna Haraway)

Könnte es einen empathischen feministischen Algorithmus geben? Was kann als Blackbox verstanden werden? Als System, dessen innere Vorgänge sich kritischen Blicken entziehen oder die Wahrnehmung durch zu viele Daten überfordern? Technische Geräte, unüberschaubare Netzwerke von Akteur/innen und komplexe Organisationen? Mein Smartphone, die Affektökonomie der Social Media, oder die Sicht der Dinge von der Warte einer anderen Person? Welche instrumentellen oder sinnlichen Beziehungen unterhalten wir zu Blackboxes und welche sie zu uns? Welche Vorurteile, Ungleichheiten und Diskriminierungen sind, bewusst oder unbewusst, in sie einprogrammiert, und welche werden durch Feedbackschleifen innerhalb einer ungleichen Gesellschaft noch verstärkt? Können selbstlernende Systeme auch etwas verlernen? Und können wir diese Fragen beantworten, wenn die Mechanismen, die das Spiel der geregelten Verhältnisse von Input und Output am Laufen halten, nicht restlos zu verstehen sind?

Das Kunsthalle Wien Community College aktiviert die Diskurszone der Ausstellung Hysterical Mining mit offenen Treffen, Workshops und kollektiven Aktionen, die dazu einladen, sich gemeinsam an vielgestaltigen „Übersetzungen“ der inneren Vorgänge von Blackboxes zu versuchen. Im Sinne eines „staying with the trouble“ (Donna Haraway) scheuen wir uns nicht, produktive Verwirrung zu stiften und heitere Übungen für ein Leben in der Komplexität vorzuschlagen. Ziel ist es, einen gesellschaftlichen Diskurs über die Auswirkungen von Blackboxes und ihren demokratischen Regulierungsbedarf in Gang zu setzen.

Want to be entangled? Das Community College, das auf der Welle der Kollektivität surft, ist ein freier Denkraum, um neue Perspektiven zu gewinnen. Menschen aus verschiedenen Bereichen kommen zusammen, um mit künstlerischen Mitteln Methoden zu entwickeln und zu teilen, um fürsorglich zu sein, kritisch zu reflektieren und zu diskutieren, um zu experimentieren und zu handeln. Auf Basis unterschiedlicher Wissenszugänge – künstlerisch, wissenschaftlich, lebenserfahren und/oder technikaffin –, treten sie in interdisziplinären Austausch über aktuelle Diskurse, treffen sich zu Lesegruppen und Ausstellungsbesuchen, diskutieren in Auseinandersetzung mit Texten und Kunstwerken, und initiierten künstlerische Forschungsprozesse. Wir sammeln Ideen und Erfahrungen und gehen offenen Fragen über unser Verhältnis zu digitalen Technologien und ihren Folgen für ein Zusammenleben in Diversität nach.

Statements von Community College Mitgliedern: Wir befassen uns mit komplexen Themen, die die Verbindung von Technologie, Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft berühren; wir sind interdisziplinär. Wir übersetzen unseren Forschungsprozess in greifbare Interventionen, um Diskussionen mit einem breiteren Publikum auszulösen und Werkzeuge zur Reflexion bereitzustellen. Wir wollen Wege finden, uns in der Vielfalt zu verlieren; Wege finden, diese zu genießen; das Wissen und die Unwissenheit über Dinge, über die Technologie des Lebens erforschen, vielfältige Möglichkeiten in und aus der Welt der Technik (wieder) zu entdecken. Das Community College ist ein Ort, an dem du nachdenklich und reflexiv sein kannst und nicht das Gefühl hast, der/die einzige Verrückte in der Stadt zu sein!

Termine und Treffen im Juni (am 7/6 mit Cornelia Sollfrank, sowie am 12/6, 21/6 & 26/6 2019), Juli, August und September (20/9 – 27/9 2019).

Details zu Programmpunkten und Teilnahmemöglichkeiten: community.college@kunsthallewien.at