Rajkamal Kahlon. Which Side Are You On?

1/12 2022 — 9/4 2023
Museumsquartier
Kurator*innen What, How & for Whom / WHW (Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović)

Which Side Are You On? umfasst eine Auswahl von Arbeiten aus Rajkamal Kahlons über zwanzigjähriger künstlerischer Praxis sowie mehrere neue Auftragsarbeiten, die für die Ausstellung in der Kunsthalle Wien entstanden sind.

In ihren Arbeiten erforscht Kahlon die Verflechtungen von Macht und visuellen Regimen, indem sie Narrativen nachgeht, die als wissenschaftlich und objektiv gelten, zugleich jedoch einen großen Einfluss auf kollektive Vorstellungen haben und unsere Sichtweisen und Interpretationen der Dinge um uns herum entscheidend prägen.

In jeder ihrer Arbeiten – ob sie von einem Buch, von Dokumenten oder von einer Archivrecherche ausgehen – steckt eine Geschichte. Die Bücher, mit denen die Künstlerin arbeitet,  stammen oft aus der Hochphase des Kolonialismus. Sie strotzen vor herablassenden Klischees und bedienen sich der zweifelhaften wissenschaftlichen Methoden der Anthropologie und Ethnologie des 19. Jahrhunderts, um ein Bild der Unterlegenheit und Andersartigkeit zu erzeugen, das koloniale und imperialistische Expansionen rechtfertigen sollte.

Kahlon unterzieht die kolonialen Bilder einer radikalen Veränderung, sodass ihre Subjekte, die von den Autor*innen und Fotograf*innen der Bücher zu Kuriositäten gemacht wurden, ihre Individualität und Würde geltend machen können. Die Malerei ist für diesen Prozess von zentraler Bedeutung, und im Gegensatz zur Geschichte der westlichen Malerei versteht Kahlon diese, in ihren eigenen Worten, als „eine Form von Fürsorgearbeit […] sie wird aus einem Gefühl der Verantwortung und Sorge für andere getan.“ Ihre Praxis strebt danach, die verbreitete Tendenz, Malerei auf ein Luxusgut zu reduzieren, zu erschweren und ihr zu widerstehen: Zeichnung und Malerei werden zu Szenen des politischen und ästhetischen Widerstands, und der Gewalt, die kolonialen und ethnografischen Bildern innewohnt, werden Schönheit, Humor, Sinnlichkeit und Verführungskraft gegenübergestellt.

Als Ausstellungstitel lädt die Frage „Which side are you on?“ [Auf welcher Seite stehst du?] die Besucher*innen ein, ihre Zustimmung zu oder gar Beteiligung an dem gewaltsamen Prozess des „Othering“ zu untersuchen – ein Prozess, der die Überlegenheit eines imaginierten „Wir“ erzeugt, indem man Menschen, die als „Andere“ konstruiert werden, Merkmale der Unterlegenheit zuschreibt. Durch den widerständigen Blick ihrer Protagonist*innen sprechen Kahlons Gemälde die Betrachter*innen direkt an und stellen die Frage, die im Ausstellungstitel enthalten ist: Wie seid ihr in die Gewalt und die Ungerechtigkeit, die euch umgeben, verwickelt?

Rajkamal Kahlon hat zur Ausstellung eine Playlist erstellt, sie erklärt:

Musik spielt bei der Entstehung meiner Werke und bei dieser Ausstellung eine große Rolle. Musik ist immer präsent, wenn ich male. Viele der Titel meiner einzelnen Projekte beruhen auf Liedtexten, die in dieser Playlist zu finden sind. Sogar der Titel dieser Ausstellung basiert auf einem berühmten US-amerikanischen Arbeiter*innen- und Protestsong, „Which Side Are You On?“, der 1931 von Florence Reece geschrieben wurde. Ich wollte der Ausstellung diese klangliche Ebene hinzufügen und die Musik, die mir Kraft und Inspiration gibt, mit anderen teilen.

  
 

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