Sanja Iveković. Works of Heart (1974–2022)

4/10 2022 — 12/3 2023
Museumsquartier
Kurator*in Zdenka Badovinac

Seit den 1970ern bezieht Sanja Iveković in ihrer künstlerischen Praxis eine klare feministische und aktivistische Position und setzt sich beharrlich mit Geschlechterfragen und politischen Themen auseinander. Mit ihrer kompromisslosen Art, ästhetische und politische Anliegen miteinander zu verbinden, hat sie Generationen von Künstler*innen und Kurator*innen beeinflusst.

Ausgangspunkt von Ivekovićs Arbeiten sind oft persönliche Situationen und Lebensumstände, denen die Künstlerin offizielle Geschichten und etablierte Darstellungen gegenüberstellt. Auf diese Weise untersucht sie Repräsentationen weiblicher Identität, Frauengeschichte, Gewalt gegen Frauen, staatliche Unterdrückung und Erscheinungsformen von Ideologien in den Massenmedien. Works of Heart (1974–2022) deckt das gesamte Themenspektrum von Ivekovićs künstlerischer Praxis ab. Insbesondere betrachtet die Ausstellung die vernachlässigten Geschichten des Antifaschismus und Sozialismus aus dem Blickwinkel von Ivekovićs eigener Biografie, und sie thematisiert eines der zentralen Anliegen ihres Werks – das Verhältnis von Geschichte und Gegenwart.

Works of Heart (1974–2022) versammelt künstlerische Arbeiten aus allen Phasen von Ivekovićs produktiver Laufbahn. Die Ausstellung beginnt mit ihren frühen feministischen Arbeiten zur Beziehung zwischen Massenmedien und Ideologie, die im Umfeld der jugoslawischen Bewegung Nova umjetnička praksa [Neue Kunstpraxis] entstanden sind. Spätere Projekte erkunden die Transformation der Balkanländer von sozialistischen zu kapitalistischen politischen Systemen. Zu den aktuellen Projekten gehört unter anderem Ženska kuća [Frauenhaus]. Diese Arbeit beschäftigt sich mit den vielfältigen Formen von Gewalt gegen Frauen, von der Sexindustrie in Bangkok und Ehrenmorden in der Türkei bis zu den Folgen des Krieges im ehemaligen Jugoslawien.

Die Ausstellung hat retrospektiven Charakter; und doch arbeitet Iveković zugleich im Hier und Jetzt: Ihre Kunst will in der Realität Spuren hinterlassen; sie besitzt eine performative Kraft, die Geschlechtergerechtigkeit, Antifaschismus, die Emanzipation der kollektiven Erinnerung und Solidarität anstrebt.

Im Rahmen der Ausstellung ist das Künstlerinnenbuch Weh dem, der sich vor Geistern fürchtet entstanden. Es enthält etwa fünfzig Gedichte von Nera Šafarić-Iveković, der Mutter von Sanja Iveković, sowie Auszüge aus ihren Tagebüchern, Faksimiles von Briefen, die sie während ihrer Lagerhaft in Auschwitz schrieb und erhielt, und zahlreiche Fotografien aus Ivekovićs Privatarchiv. Die Publikation ist auf 200 Exemplare (50 signiert) limitiert und im Shop der Kunsthalle Wien erhätlich.

  
 

RELATED CONTENT

  
Führung in Österreichischer Gebärdensprache
  
 

PROGRAMM