video des monats #41: Le temps sensible. Marcel Proust und die Videokunst

Ausstellung
1/10 2008 — 31/10 2008
Museumsquartier / Videolounge

Zusammengestellt von Mathilde Roman und Anna Mitterer.

Robert Cahen, Juste le Temps (Nur die Zeit), 1983, 12:45 Min.
Sabine Massenet, Je ne me souviens plus (Ich kann mich nicht mehr erinnern), 2002, 4:30 Min.
Jutta Strohmaier, Passenger, 2004, 15 Min.
Sejla Kameric, What do I know, 2007, 15 Min.
Hans Op de Beeck, Loss, 2004, 11 Min.
Veronique Aubouy, V’là le plaisir ! (Hier die Freude!), 2008, 10:25 Min.
Anna Mitterer, Sonate, 2008, 6:20 Min.

„Proust bedient sich folglich kinematographischer Begriffe: die Zeit lässt ‘den Schein ihrer Laterna Magica über (die Körper) hingleiten’ und die Einstellungen in der Bildtiefe koexistieren.“
(Gilles Deleuze, Das Zeit-Bild. Kino 2)

Le temps sensible begibt sich auf eine Spurensuche nach Marcel Prousts Zeitphilosophie in der Videokunst. Obwohl einige der Arbeiten keinen direkten Bezug zu Prousts zentralem Ouevre Auf der Suche nach der verlorenen Zeit aufweisen, verbildlichen sie dennoch inhaltliche Aspekte und Stilfiguren, die deutliche Anklänge an Marcel Proust erkennen lassen. Im Dialog von zeitgenössischer Kunst und historischem Roman ergibt sich ein Spannungsfeld, das nicht nur von der Kontinuität des großen Werkes zeugt, sondern auch ein Genre übergreifendes Denken zwischen Literatur und Film als befruchtend darstellt. In seinem Erinnerungswerk entwickelt Marcel Proust eine Zeitphilosophie, in der der Verlust der Vergangenheit letztlich überwunden wird. Die Zeit stirbt nicht, wie es anfänglich heißt, sondern bleibt dem Menschen einverleibt. Körper und Geist sind Zeitbehälter, die „vielfach gestützt eine gebrechliche kostbare Wirklichkeit tragend: das Bild“ transportieren. Prousts große Themen sind die Zeit, die zerstört, und die Erinnerung, die bewahrt. Das innere Erleben von Zeit, ihr Verschwinden und Erscheinen, ihre subjektiv erlebbare Verkürzung und Ausdehnung und die Suche nach dem Vergessenen in unserem Bewusstsein verdeutlicht ihre elastische Natur. Dabei versucht Proust immer wieder innerweltlich empfundene Gesetzmäßigkeiten, die sich in surrealer Anmutung im Außen entfalten zu untersuchen und meint: „Wie es eine Geometrie im Raum gibt, gibt es auch eine Psychologie in der Zeit, […].“