Želimir Žilnik. Shadow Citizens

Ausstellung
24/10 2020 — 17/1 2021
Museumsquartier
Kurator*innen What, How & for Whom / WHW (Ivet Ćurlin, Ana Dević, Nataša Ilić und Sabina Sabolović)

Mit Beiträgen von Ana Janevski und Jurij Meden

In Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Filmmuseum und der Viennale

Shadow Citizens gibt im Rahmen einer Ausstellung Einblick in das radikale Filmschaffen und umfangreiche Werk von Želimir Žilnik (geb. 1942, lebt und arbeitet in Novi Sad, Serbien). Seit seinen Anfängen in der lebendigen Amateurfilmszene, die sich in den 1960ern in Jugoslawien entwickelte, hat Žilnik über 50 Filme gedreht, darunter zahlreiche Spielfilme und Fernsehproduktionen, die oft der Gattung Dokumentardrama zuzurechnen sind. Seine Arbeiten fanden schnell internationale Anerkennung; für Frühe Werke gewann er 1969 auf der Berlinale den Goldenen Bären für den besten Langfilm. Als seine Filme in den 1970ern auf politischen Widerstand stießen, verließ er Jugoslawien und ließ sich in Deutschland nieder, wo mehrere Independent-Filme entstanden, darunter einige der ersten Filme, die sich mit dem Thema Gastarbeiter auseinandersetzten. Auch in Deutschland sah er sich politischen Anfeindungen und Zensur ausgesetzt und kehrte nach Jugoslawien zurück, wo er in den 1980ern zahlreiche Fernseh- und Spielfilme drehte, in denen er die ersten Anzeichen der wachsenden gesellschaftlichen Konflikte in seinem Heimatland einfing. In den 1990ern entstanden Filme, die die Schattenseiten der postsozialistischen Umwälzungen und Migrationsfragen behandelten.

Viele von Žilniks Filmen nahmen auf geradezu prophetische Weise reale Entwicklungen vorweg, etwa den Zerfall Jugoslawiens, den wirtschaftlichen Übergang vom Sozialismus zu einer neoliberalen Ordnung, die Beseitigung von Arbeitnehmerrechten und die umfassende Zersetzung gesellschaftlicher Strukturen in den Bereichen Arbeit und Migration. Der Titel der Ausstellung, Shadow Citizens, spiegelt Žilniks jahrzehntelanges Bemühen wider, die Aufmerksamkeit der Zuschauer*innen auf unsichtbare, unterdrückte, unterrepräsentierte und verzerrt dargestellte Mitglieder der Gesellschaft zu lenken.

Die Ausstellung ist eine erweiterte Neuauflage einer Schau, die WHW zuvor im Edith-Russ-Haus für Medienkunst in Oldenburg und in der Galerie Nova in Zagreb kuratierten. Žilniks jüngster Langfilm entstand in Wien. Der Künstler wird für die Dauer der Ausstellung einer Einladung nach Wien folgen und an Vermittlungsprogrammen mit verschiedenen Partnern und Communities mitwirken, mit denen er bereits gearbeitet hat.

Ausführliche Informationen zur Filmografie von Želimir Žilnik finden Sie hier: https://www.zilnikzelimir.net/filmography

Die Wiener Fassung der Ausstellung ergänzt einen von Ana Janevski kuratierten Forschungsstrang, der jenen Kontext in den Blick nimmt, in dem Žilnik sein Handwerk erlernte: die Amateur-Kinoklubs, die es damals in vielen jugoslawischen Städten gab.

Neu in dieser Version von Shadow Citizens ist zum anderen ein in enger Zusammenarbeit mit Žilnik entstandener filmischer Essay des Kurators Jurij Meden. Er wirft ein Schlaglicht auf die Berührungspunkte zwischen Žilniks Werk und dessen weiterem filmhistorischen Kontext.

Im Rahmen der Zusammenarbeit der Kunsthalle Wien und der Viennale wird während des Festivals, das vom 22. Oktober bis zum 1. November 2020 stattfindet, eine Auswahl von Žilniks Filmen gezeigt. Mit einem Viennale Ticket kann die Ausstellung zum reduzierten Preis von € 2 besucht werden.

Zum Abschluss der Ausstellung wird im Jänner ein gemeinsam mit dem Österreichischen Filmmuseum organisiertes Filmprogramm den Schwerpunkt auf einen bisher vernachlässigten Aspekt von Žilniks Schaffen legen: seine Arbeiten für das Fernsehen aus den 1980ern. Mit einem Ticket aus dem Filmmuseum kann die Ausstellung ermäßigt um € 2 besucht werden, das Ausstellungsticket berechtigt wiederum zum ermäßigten Eintritt im Filmmuseum.

Mit dem Eintrittsticket kann die Ausstellung wiederholt besucht werden.