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Karlsplatz
Vortrag
Elizabeth Losh: Primping in Front of the Machine Vision Mirror
26/6 2019
15 — 17 Uhr

Es ist heute wesentlich wahrscheinlicher, dass Wörter und Bilder von Maschinen anstatt von Menschen gelesen oder betrachtet werden. Algorithmen, die für digitale Archive, Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Systeme zur Überwachung und Regulation von geistigem Eigentum, der nationalen und öffentlichen Sicherheit, der medizinischen Normierung, wirtschaftlichen Produktivität und der Gleichstellung der Geschlechter geschaffen wurden, vergleichen, sammeln und sortieren enorme Datenmengen. Dieser Gebrauch von Algorithmen als Ersatz für menschliche Übersetzer schürt zunehmend Ängste, vor allem unter jenen, die sich angesichts einer omnipräsenten Überwachung sorgen oder den Verlust der Möglichkeit fürchten, zukünftig selbst noch den Überblick zu bewahren. Die technischen Möglichkeiten der Biometrie – insbesondere die Gesichtserkennung und Authentifizierung von Fingerabdrücken – sind in der Lage, Zugangs- und Teilnahmebedingungen zu diktieren. Ebenso bestimmen selbstfahrende Fahrzeuge, die mit Bildverarbeitungstechnik ausgestattet sind, zunehmend den Mobilitätsradius ihrer Benutzer/innen.

Kritikerinnen wie Jill Walker Rettberg haben darauf hingewiesen dass der letzte große technologische Wandel der visuellen Kultur in der Frühen Neuzeit die Natur- und Geisteswissenschaften eng miteinander verbunden hat. Humanistische Denker der Renaissance untersuchten die philosophischen, ästhetischen und kulturellen Auswirkungen von Visualisierungstechniken zur Darstellung der Linearperspektive und anatomischer Proportionen, von optischen Geräten wie der Camera Obscura und dem Teleskop sowie den Einfluss, den diese Techniken auf die Konstitution des „Selbst“ hatten. Die Revolution in der Bildverarbeitung ist in den Geisteswissenschaften hingegen relativ unerforscht, selbst in den digitalen Geisteswissenschaften. In diesem Vortrag geht es darum, wie wir uns selbst in der Black Box des neuen, digitalen und vernetzten maschinellen Sehens erkennen und was dies für eine mögliche Zukunft als Subjekte, Bürger/innen und Feminist/innen bedeutet. (In englischer Sprache)

Elizabeth Losh ist Associate Professor für Anglistik und Amerikanistik der William and Mary Universität, Williamsburg, Virginia. Ihr Forschungsschwerpunkt sind New Media Ecologies. Zuvor leitete sie das Kultur-, Kunst- und Technologieprogramm der University of California in San Diego. Sie ist die Autorin von Virtualpolitik: An Electronic History of Government Media-Making in a Time of War, Scandal, Disaster, Miscommunication, and Mistakes (MIT Press, 2009), The War on Learning: Gaining Ground in the Digital University (MIT Press, 2014), und Hashtag (Bloomsbury, 2019). Sie ist Co-Autorin (zusammen mit Jonathan Alexander) von Understanding Rhetoric: A Graphic Guide to Writing (Bedford / St. Martin’s, 2013; zweite Auflage, 2017). Sie veröffentlichte die bearbeitete Sammlung MOOCs and Their Afterlives: Experiments in Scale and Access in Higher Education (University of Chicago, 2017) und ist Mitherausgeberin von Bodies of Information: Intersectional Feminism und Digital Humanities (Minnesota, 2018). Ihre aktuellen Forschungen konzentrieren sich auf das allgegenwärtige „Computing“ im Weißen Haus unter den Regierungen von Obama und Trump.

Sie hat eine Reihe Essays über Communities verfasst, die Online-Videos, Videospiele, digitale Fotografien, Postings und Programmcode produzieren, konsumieren und verbreiten. Ein Großteil dieser Arbeit befasst sich mit der Legitimation politischer Institutionen durch visuelle Evidenz und die Darstellung von Krieg und Gewalt in globalen Nachrichten und Menschenrechtsdiskussionen.

Eintritt EUR 2
Mit Ausstellungsticket oder Jahresticket und für Community College Mitglieder gratis

Der Vortrag findet im Rahmen des aktuellen Community College Programms The Black Box Issues statt.

Im Anschluss an den Vortrag lädt das Community College von 17 bis 20 Uhr zu einem offenen Get-Together und Workshop ein, um den Thesen von Elizabeth Losh mit ein paar heiteren Übungen in „risking translations of what is only partly understood“ nachzugehen.

Mehr Informationen: community.college@kunsthallewien.at

Wir bedanken uns für den Impuls zur Einladung von Elizabeth Losh beim Mz Baltazar’s Laboratory.

Museumsquartier
Workshop
Technofeminist Technology Transfer
7/6 2019
13 — 17 Uhr

Von der eigenen (genderspezifischen) Erfahrung zur Aktion
Workshop mit Cornelia Sollfrank

Ausgangspunkt für diesen Workshop ist die Annahme, dass wir durch unseren täglichen Umgang mit Technologie bereits ein umfangreiches erfahrungsbasiertes und implizites Wissen erworben haben. Der Workshop greift auf consciousness raising (Bewusstseinsbildung) als bewährte Methode der feministischen Wissensproduktion zurück. Bewusstseinsbildung hat in vielerlei Hinsicht zur Analyse, zur Praxis und zur Theorie der feministischen Bewegung beigetragen. Im Workshop soll dieser Zugang auf eine Erkundung sowohl der unterdrückenden als auch der befreienden Aspekte von Technologie übertragen werden. Ziel des Workshops, in dem jede/r Teilnehmer/in ein/e Experte/in ist, ist den Zusammenhang zwischen persönlicher Erfahrung und den größeren politischen und wirtschaftlichen Strukturen zu erkunden. Wie können genderspezifische Aspekte zu neuen Praxen im Umgang mit Technologie führen? Wie können feministische Werte in einem überdeterminierten und alles-bestimmenden technologischen Szenario in Praxis umgesetzt werden? Wie kann persönliche Erfahrung für politische Kämpfe für einen emanzipatorischen Einsatz von Technologie genutzt werden?

Open to all genders!

Bring your own device!

Cornelia Sollfrank (PhD) ist Künstlerin, Forscherinund Lehrende und lebt in Berlin. Wiederkehrende Themen ihrer Arbeit in und überdigitale Medien und Netzkulturen sind künstlerische Infrastrukturen, neueFormen der (politischen) Organisierung, Autorschaft und geistiges Eigentum,Gendertheorie und -praxis sowie Technofeminismen. Sie war Mitbegründerin derKollektive frauen-und-technik, -Innen und Old Boys Networkund ist zur Zeit als Forscherin im Projekt art&commons an der ZürcherHochschule der Künste tätig. Ihr Buch Die schönen Kriegerinnen.Technofeministische Praxis im 21. Jahrhundert ist soeben bei transversal texts(Wien) erschienen. Weiterführende Informationen: artwarez.org

Workshop im Rahmen des Community College Programms The Black Box Issues.

Anmeldung erforderlich: community.college@kunsthallewien.at

Eintritt EUR 2
Mit Ausstellungsticket oder Jahresticket gratis