GETTING WET

Diskussion / Filmprogramm
18/6 2021 18 Uhr
MQ Libelle
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Eine diskursive Veranstaltung der Kunsthalle Wien im Rahmen der Vienna Biennale for Change 2021

Künstler*innen: Paula Baeza Pailamilla, Sebastian Calfuqueo, Katrina Daschner, Devil‘s Apron (Kåre Grundvåg & Trond Ansten), Patricia Domínguez, Denise Ferreira da Silva & Arjuna Neuman, Barbara Kapusta

Kuratorinnen: Laura Amann und Aziza Harmel

Die Veranstaltung findet auf dem Dach des Leopold Museums in der MQ Libelle statt.
Die Besucher*innenzahl ist begrenzt, wir bitten um Anmeldung: rsvp@kunsthallewien.at

Die Beziehung zwischen Technologie und Natur basiert weitgehend auf einer Logik der Extraktion, die durch koloniale Rechtsmechanismen und den Spätkapitalismus ermöglicht wird. Getting Wet umfasst eine Reihe von Video- und Filmprojektionen und Gesprächen rund um das Thema Wasser – als Element, aber auch als Idee, die unsere Denkkategorien aufbrechen und unsere Beziehungen auf der Erde neu gestalten kann.

Die ganztägige Veranstaltung lädt ein, den Begriff der Technologie neu zu denken und von der bloßen Erfassung der Natur zu einer tiefen Hinwendung zu ihr überzugehen, indem nichtmenschliche Technologien und Wasser als Wissensspeicher anerkannt werden – ebenso wie die Bewegung des Meeres und der Wellen, Ebbe und Flut, Erde und Himmel, fluides Begehren, die Gärung von Meeresalgen, Verdunstung, Migration, Blut und Schweiß … Wasser wirkt dabei wie ein Mechanismus, der sich seinen Weg durch die kleinsten Risse bahnt und langsam, aber beharrlich ausbeuterische Systeme untergräbt.

Das Programm von Getting Wet

Unpayable Debt
Vortrag von Denise Ferreira da Silva
Welche Mittel gibt uns eine schwarze feministische Poethik an die Hand? Was eröffnet sie uns für die Aufgabe, die Welt neu zu denken, sie aus der Umklammerung der abstrakten Formen moderner Repräsentation und der gewaltsamen juristischen und ökonomischen Architekturen, die sie stützen, zu befreien? Wenn sie eine Praxis des bildlichen Darstellens und Denkens der Welt (mit Welt/in der Welt/für die Welt) ist, ohne Trennbarkeit, Determiniertheit und Sequenzialität, dann nähert sie sich der Reflexion als eine Art Studium oder als Spiel der Imagination, losgelöst von den Zwängen des Verstehens.

Denise Ferreira da Silva und Arjuna Neuman: 4 Waters – Deep Implicancy
2018, 30 min
Dieser Film lädt dazu ein, unsere Welt außerhalb der Zeit zu betrachten und über einen ursprünglichen Moment der Verschränkung nachzudenken, bevor sich die Materie in diejenigen – menschlichen wie nichtmenschlichen – Formen aufspaltete, die wir heute kennen; eine Zeit, die die Filmemacher*innen als „Deep Implicancy“ bezeichnen. Der Film bewegt sich über vier Gewässer, das Mittelmeer, den Pazifik, den Atlantik und den Indischen Ozean, und folgt der Bewegung von Menschen sowie Elementen und Materie.

Kåre Grundvåg und Trond Ansten: Devil’s Apron – a journey in seaweed, punk and brewing culture in the north
2016, 19 min
Die Künstler gehen dem verlorenen Wissen über das Brauen mit Meeresalgen nach. Inspiriert von dem Gerücht, dass die Inuit von Kamtschatka ein alkoholisches Getränk aus Rotalgen herstellten, machen sie sich auf die Suche nach dem Rezept. Auf ihrer Reise erforschen sie traditionelle Veredelungsprozesse im Licht neuer Wissenschaft, Poesie und anregender Gespräche.

Paula Baeza Pailamilla: Wüfko
2019, 4 min
Wüfko ist eine einem Auge gleichende Quelle von großer Reinheit und zugleich der Name eines heiligen Ortes im Wald von Challupen im Süden Chiles. Eine Mapuche-Frau schildert, was sie von diesem Ort geträumt hat, und offenbart dabei ein kimün (Wissen), das ihrem eigenen Körperempfinden eingeschrieben ist.

Sebastián Calfuqueo: Kowkülen (Ser líquido)
2020, 3 min
Die Arbeit beschreibt eine physische, persönliche und poetische Reise, die sich dem Wasser, Sumpfgebieten, Seen, Ozeanen, Flüssen und Quellen widmet. Sie thematisiert Konzepte des Körpers, der Binarität, von Geschlecht und Sexualität, die historische Beziehung zwischen Wasser und Leben sowie die Bedeutung von Wasser für jedes Individuum.

Patricia Domínguez: La balada de las sirenas secas
2020, 31 min
Dieses Video ist Teil der Arbeit La balada de las sirenas secas (Die Ballade der trockenen Meerjungfrauen), einer Videoinstallation, für die die Künstlerin mit Las Viudas del Agua (Die Witwen des Wassers) – einer Gruppe von Frauen, die sich dem Kampf um den Zugang zu Trinkwasser in ihren Communities verschrieben haben – zusammengearbeitet hat. Domínguez thematisiert die Privatisierung der Wasserversorgung in Chile, die politisch, rechtlich, aber auch spirituell komplexen Ströme von Wasser und die Möglichkeiten des Weinens und Heilens im digitalen Zeitalter.

Katrina Daschner: Hiding in the Lights, 2012–2020
PERLENMEERE (Sea of Pearls), 2016, 8:37 min
POWDER PLACENTA, 2015, 9:17 min
POMP, Premierenversion, 2020, 8 min
Die Künstlerin konzipierte Hiding in the Lights als Serie von acht experimentellen Kurzfilmen. Im Rahmen von Getting Wet dienen drei dieser Experimentalfilme als Zwischentitel, die einen Raum eröffnen, in dem es keiner konkreten Worte bedarf und der daher Sehnsucht, Begehren und Sinnlichkeit ohne klare Zuschreibungen zulässt. Frei nach Schnitzlers Traumnovelle werden Bilder menschlicher und nichtmenschlicher Momente zu einer nichthierarchischen Montage erotisch aufgeladener Choreografien, ausgelagerter Fantasien und fluider Rollenbilder geformt.

Barbara Kapusta: The Leaking Bodies, 2020
Barbara Kapusta
trägt im Rahmen ihres Auftritts Texte vor, die auf ihrer Arbeit The Leaking Bodies basieren und die von den Auswirkungen ökologischen, sozialen und emotionalen Drucks, der zunehmenden Toxizität von Landschaften und politischer Instabilität erzählen. Der Akt des Sprechens dient hierbei dazu, queere Handlungsfähigkeit zu erlangen, aber auch Verletzlichkeit zuzulassen. Der die Performance begleitende Sound stammt von Rana Farahani alias Fauna, die auch den Soundtrack zu The Leaking Bodies beigesteuert hat.