Sea Watch: Talk with Chris Grodotzki and Morana Miljanović

Gespräch
19/5 2020 19 Uhr
Online

Seit 2015 patrouilliert Sea-Watch auf den internationalen Gewässern des Mittelmeers, um Menschen in Not zu retten, die die kapitalistische Politik und deren Macher*innen lieber tot sehen als die Küsten Europas erreichen lassen. Das derzeit im Einsatz befindliche Schiff, die Sea-Watch 3, zählt eine 22-köpfige Crew, die alle drei Wochen fast vollständig ausgetauscht wird.

Der Talk beleuchtet die Rolle von Sea-Watch als Zeichen des Widerstandes in einem sich ständig verändernden mörderischen Ausnahmezustand, unter dem die europäischen Staaten Menschen daran hindern, ihre porösen Grenzen im Süden undokumentiert zu passieren. Im Gespräch mit Pirate Care diskutieren Chris Grodotzki und Morana Miljanović im Speziellen die sozialen Strukturen und Dynamiken, die sich im Laufe der Zeit innerhalb der Schiffscrew entwickelt haben und von der Sorge für das Schiff, Sorge um die Geretteten und für einander geprägt sind: „Unsere Analyse orientiert sich am Konzept der ‚Pirate Care’, um auf eine Form der Fürsorge zu fokussieren, die jenseits von und entgegengesetzt zu dem steht, was Crews von ‚Nicht-Piratenschiffen‘ sonst praktizieren. Auf der Grundlage von Interviews mit einer Reihe von Aktivist*innen, die bei zahlreichen Missionen der letzten fünf Jahre teilgenommen haben, sowie unseren eigenen Erfahrungen als Crewmitglieder wollen wir bestimmte Muster eines sorgenden Verhaltens, die so spontan wie standardisiert erfolgen, herausarbeiten; wir betrachten diese als funktionale (indem erfolgreiche Seenotrettungen ermöglicht werden) sowie symbolische Handlungsweisen (indem eine Welt repräsentiert wird, wie sie Gerettete im sicheren Hafen vorfinden sollen), die eine Alternative zu den erlaubten Rahmenbedingungen der staatlichen Institutionen schaffen können.“

Sea-Watch e.V. ist eine Non-Profit-Organisation, die zivile Such- und Rettungseinsätze im europäischen Mittelmeer durchführt. Angesichts der anhaltenden, staatlich legitimierten humanitären Katastrophe leistet Sea-Watch direkte Nothilfe, fordert und forciert gleichzeitig die Rettung durch die zuständigen europäischen Institutionen und steht öffentlich ein für sichere und legale Fluchtwege (#SafePassage), Bewegungsfreiheit sowie offene europäische Gesellschaften, die sich zur Solidarität bekennen. Sea-Watch agiert politisch und religiös unabhängig und wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

https://sea-watch.org

Die Teilnahme ist kostenlos

Der Talk findet auf Zoom statt: Bitte verwenden Sie diesen Link oder die Meeting-ID: 830 6441 6335.
Die Zeitangaben beziehen sich auf die CET Zeitzone (Wien).
Wir bedanken uns für eine Anmeldung Ihrer Teilnahme unter: rsvp@kunsthallewien.at

Bitte beachten Sie, dass die Sitzung (teilweise) aufgezeichnet und veröffentlicht wird. Informationen dazu erhalten Sie ebenfalls im Zuge der Registrierung.

Sprache: Englisch

Der Vortrag ist Teil einer Reihe von Online-Gesprächen und Workshops mit Pirate Care- Akteur*innen im Rahmen der Ausstellung … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden.

Pirate Care – das sind kollektive Strategien, um verschiedenen Aspekten der neoliberalen Krise der Fürsorge, wie beispielsweise der Kriminalisierung von Migration, der Zurücknahme reproduktiver Rechte oder der Einführung von Arbeitsregimen, aktiv entgegenzutreten. Akteur*innen dieser Praxis helfen Migrant*innen auf See und an Land zu überleben, ermöglichen Schwangerschaftsabbrüche, wo sie illegal sind, bieten gesundheitliche Unterstützung, wo Institutionen versagen, schaffen Zugang zu Wissen, wo dieser beschränkt wird. Das in der Ausstellung … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden vertretene Projekt „Pirate Care” kartographiert diese Praxen der Kollektivierung von Sorgearbeit und vernetzt Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Fachleute. Sie alle eint die Bereitschaft, Gesetze und Bestimmungen zu übertreten, wenn diese Schutz und Solidarität entgegenstehen.

Ursprünglich waren die Workshops als „Aktivierungen” eines seit 2019 laufenden, kollektiven Lernprozesses geplant, im Zuge dessen das situierte Wissen der genannten Initiativen u.a. in einen gemeinschaftlich verfassten Syllabus zusammengetragen wird. Eine erste work-in-progress-Fassung des Syllabus wurde am 8. März 2020 anlässlich der Eröffnung von … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden in der Kunsthalle Wien veröffentlicht. Jetzt, nach dem Ausbruch der SARS-CoV-2-Pandemie, werden die öffentlichen Aktivierungen in den digitalen Raum verlagert. Zusätzlich wurde eine kollektive Notizen-Sammlung initiiert, um zu dokumentieren, wie sich Fürsorge und Solidarität in Reaktion auf die Krise organisieren.

Mehr Informationen zum Pirate Care Syllabus und zum Syllabus Kapitel “Flatten the Curve, Grow the Care”: Was lernen wir von Covid-19

Weitere Termine:
14/5 2020, 19–20 Uhr | Talk: Pirate Care – mit Valeria Graziano, Marcell Mars und Tomislav Medak
15/5 2020, 17–19 Uhr | Workshop: Open Source Estrogen – mit Mary Maggic
22/5 2020, 17–19:30 Uhr (mit Pause) | Workshop: The Hologram. Collective Health as a „Beautiful Art Work“ – mit Cassie Thornton