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Bilal Khbeiz, Globalization and the Manufacture of Transient Events

Für einen Palästinenser ist eine Zukunft ohne ein faires politisches Übereinkommen nicht vorstellbar. Ebenso wenig kann sich ein Libanese eine Zukunft vorstellen, ohne dass ungerechte Steuern abgeschafft werden und dass die willkürliche Diplomatie einer konfessionellen Politik und die in Abgrenzung zu den umgebenden Nachbarn erzwungene Eigenstaatlichkeit ein Ende finden. Um es klarer zu machen, worum es geht, sei hinzugefügt, dass eine Frau aus Tansania, die jeden Tag auf der Suche nach Brennholz für die Zubereitung der Familienmahlzeiten mehr als 30 Kilometer zurücklegt, von einer Zukunft mit Gasherd und konstanter Stromversorgung träumt. Die Träume der Dritten Welt sind sichtbar, greifbar, sie werden gefühlt und gelebt. Doch wie sieht es mit den Träumen der Amerikaner*innen aus? Sehr wahrscheinlich, und der folgende historische Vergleich sei erlaubt, gibt es eine klassenspezifische Unterscheidung von Träumen: Science-Fiction ist eine Besonderheit entwickelter Gesellschaften, während uns in der Dritten Welt nur die Träume von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden bleiben.

Die Globalisierung ist, so wie die in ihrem Vorfeld entstandenen souveränen Nationalstaaten, ein aufgerüstetes Wesen. Außerstande ihren Kurs zu ändern, bemühen sich alle – Nationen, Menschen und Terroristen gleichermaßen – um die Ehre, sich dazugesellen zu dürfen. Von Beginn an führt die Globalisierung zwei Waffen: die Fähigkeit zur Verachtung und die Macht der Versuchung.

Die Einwanderungsgesetze in den Ländern des Westens gleichen akademischen Aufnahmeprüfungen. Besteht man sie, darf man ein menschliches Dasein führen – mit den Rechten, die Menschen in der westlichen Welt zustehen. Dank der Globalisierung kann man diese Aufnahme bisweilen auch vom eigenen Heimatort aus finden. Jeder Einzelne von uns kann sich an dieser Fernuniversität bewerben und dann einen Abschluss nach dem anderen machen. Indem wir lernen, den Kaffee bei Starbucks zu genießen und schlechte Angewohnheiten wie das Rauchen zu verheimlichen, wird uns der geschickte Umgang mit dem Internet bis zur Finanzspekulation in der virtuellen Wirtschaft führen.

Alles in allem sind wir keine Bürger*innen, keine Menschen, noch nicht einmal Haustiere. Wir können bestenfalls intelligente Wesen werden. Und das, so sagt man uns, sollte mehr als genug sein. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als um dieses intelligente Verhalten zu ringen und zu kämpfen, während wir ein übersteigertes und sorgenvolles Leben führen, das uns vor allem eines zugesteht: „Zu sehen und nicht gesehen zu werden.“

Aus Bilal Khbeiz, Globalization and the Manufacture of Transient Events, Beirut: Ashkal Alwan, 2003